Shyrdak und Ala-Kiyiz: Symbolik der Ornamente, Frauenwerkstätten in Kochkor und am Issyk-Kul, private Kurse und Kauf direkt bei den Meisterinnen.

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Alle anzeigenWer eine Jurte auf einer Sommerweide betritt, schaut zuerst nicht auf den Ofen oder die bemalten Truhen, sondern auf den Boden. Leuchtende Filzteppiche mit geschwungenen Motiven, die an Widderhörner erinnern, liegen in mehreren Schichten: Sie wärmen, dämpfen den Klang und erzählen die Geschichte einer Familie. Shyrdak und Ala-Kiyiz sind keine Andenken für Touristen, sondern gelebter Nomadenalltag. 2012 nahm die UNESCO die kirgisische Filzteppichkunst in die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes auf – denn immer weniger Frauen beherrschen den gesamten Arbeitsprozess.

Ala-Kiyiz ist gewalkter Filz. Gefärbte Wolle wird als Muster auf eine Grundschicht gelegt, mit heißem Wasser getränkt und stundenlang gerollt, bis sich die Fasern verbinden – die Linien wirken weich, fast wie Aquarell. Shyrdak dagegen ist ein Mosaik: Dasselbe Ornament wird aus zwei kontrastierenden Filzbahnen geschnitten, die Teile werden getauscht, von Hand vernäht und mit einer Kordel eingefasst. An einem großen Shyrdak arbeitet eine Meisterin mehrere Wochen, dafür hält er Jahrzehnte und wird in den Familien vererbt.
Das bekannteste Motiv ist Kochkor Muyuz, das Widderhorn – Sinnbild für Wohlstand und die Stärke der Sippe. Dazu kommen Pflanzenranken, dreieckige Amulettformen, Berge und Wasser. Auch die Farben sprechen: Rot steht für Leben und Feuer, Blau für den Himmel, Weiß für Reinheit und gute Absichten. Jede Meisterin hat ihre eigene Handschrift, und Kenner unterscheiden einen Teppich aus Naryn mühelos von einem vom Issyk-Kul.

Das Dorf Kochkor an der Strecke zum Song-Kul gilt seit Langem als Hauptstadt des Filzes. In den Frauenkooperativen lässt sich jeder Schritt verfolgen – vom Sortieren und Färben der Wolle bis zur letzten Naht. Am Issyk-Kul lebt das Handwerk eher in den Familien: Am ruhigen Südufer empfangen Meisterinnen ihre Gäste zu Hause, bei Tee und frischem Boorsok. Ein solcher Besuch passt bestens zu einer entschleunigten Route, wie wir sie im Beitrag über das stille Südufer des Issyk-Kul beschreiben.
Statt in überlaufene Souvenirwerkstätten führen wir Sie zu einer einzelnen Meisterin. Zwei bis drei Stunden in ihrer Werkstatt oder Jurte: Sie walken einen kleinen Ala-Kiyiz oder schneiden und nähen ein Stück Shyrdak – ein Kissen, einen Untersetzer, ein Wandbild. Eine Dolmetscherin ist dabei, niemand drängt, und anschließend gibt es ein Mittagessen mit der Gastgeberin. Auch Kinder sind begeistert, denn Wolle, Seife und warmes Wasser werden schnell zum Spiel – ideal für eine Familienreise in die Berge.

Der größte Vorteil: Sie kaufen ohne Zwischenhändler bei der Frau, die das Stück gefertigt hat. Wählen Sie einen fertigen Teppich oder geben Sie einen Shyrdak für Ihr Zuhause in Auftrag – Größe, Farben und Ornament besprechen Sie persönlich, geliefert wird anschließend. Unser Tipp: Achten Sie auf dichten Filz und gleichmäßige Nähte; Naturfarben wirken leicht gedämpft. Kombinieren lässt sich der Kurs mit einer Jurtennacht am Song-Kul und unserer kulinarischen Route durch den Norden. Inspiration finden Sie in unseren kuratierten Reisekollektionen – und für Ihre Wunschtermine kontaktieren Sie unser Team.
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